Am Mittwochabend fuhr ich mit Annika in meinem Opel in Richtung Roth. Mit Zwischenstop bei meinen Eltern im Westerwald, trafen wir gut gelaunt an unserem Trifinish-Zeltplatz direkt am Schwimmstart ein. Ob Zelten die richtige Vorbereitung war, weiß ich nicht. Da meine Übernachtungsmöglichkeit kurzfristig abgesagt hatte, blieb mir nichts anderes übrig. Insgesamt konnte ich in den 3 Nächten von Heuberg (bei Roth) genau 13 Stunden schlafen – suboptimal. Naja ich machte das Beste draus und versuchte meine Nervosität zu überspielen. In meinen Gedanken war ich immer bei meinen Trainingskilometern… ich fühlte mich einfach nicht austrainiert. Mit knapp 70kg wog ich auch fast 4kg mehr als bei meiner Marathonbestzeit im Jahr 2010. Aber jeder Athlet kennt das und denkt vor dem Rennen – verdammt ich habe zu wenig gemacht. Insgesamt beendete ich die Vorbereitung mit 6000 Radkilometern, knapp 1900 Laufkilometern, 290 Schwimmkilometern und 40 Stunden Krafttraining (immer gerechnet ab 01.November). Also wenig ist auch was anderes, aber trotzdem hatte ich Gewissensbisse ob es reicht für meine Große Ankündigung. Dass es für die 9 Stunden nicht ganz reichen würde, war mir fast schon klar und in den letzten Wochen der Vorbereitung sprach ich auch immer von 9:05-9:15h… Meine Ergebnisse in der Bundesliga waren ja auch unterirdisch diese Saison. Ich wollte also auch unbedingt was zeigen am 10. Juli.
Trotz Aufregung und wenig Schlaf war es einfach ein super tolles Wochenende. Mit ca. 50 Münsteranern machten wir den Heuberg unsicher. Meiner Meinung nach, gehört nicht nur die Performance zu einem tollen Rennen, sondern auch das Event, die Stimmung und vor allem der Teamspirit. Ich hatte wirklich Spaß, nicht nur am Zeltplatz, sondern auch auf Fuerte und in der ganzen Vorbereitung. Ich verzichte auch gerne auf eine bessere Zeit, wenn ich Spaß an meinem Sport habe und jetzt schon wieder heiß auf die nächste Langdistanz bin.
Die Vorbereitung:
Am Rennmorgen entstieg ich um 4 UHR meinem Zelt und trank das erste Mal seit einer Woche einen Kaffee! BOAHHHH Hammer wenn die Sucht befriedigt wird. Ich erledigte die letzten Vorbereitung und ging zum Schwimmstart um ca. 5:30 UHR. Da war schon die Hölle los und ich musste mich durch die Massen quetschen. Luft prüfen, WK-Verpflegung aufmontieren und Neo an = 136 Puls. Noch 2 Minuten bis zum Start ertönte aus den Lautsprechern. Ohje Manuel du bist doch in der ersten Startgruppe, also Sprint zum Start, gerade angekommen an der Startlinie ertönte auch das Startsignal.
Das Schwimmen:
Es folgte die schlimmste Stunde in meiner „Triathlon Karriere“. Das Schwimmen war einfach vom ersten Meter an eine riesige Waschmaschine. Ich wurde noch nie so verprügelt wie die ersten 1700m. Zudem hatte ich da schon Magenprobleme und die Schwimmbrille drückte mir das rechte Auge fast durch den Kopf. Das schlimmste aber war, ich hatte ganz schwere Arme und konnte keinen Druck machen. Ich habe wirklich schon an Aufgabe gedacht. Am Schwimmausstieg blickte ich direkt auf die Uhr und erkannte eine 54. Ich guckte noch 3-mal drauf und war überrascht, dass es trotz des schlechten Gefühls so zügig war. Zwischenzeitlich hatte ich schon mit einer Stunde kalkuliert. Mit einer Pace von 1:25min/ 100m kann ich zufrieden sein dachte ich. Nur noch ein bisschen enttäuscht und wieder hochmotiviert wechselte ich zügig zum Rad.
Das Radfahren
Ich merkte schon beim „einseitig gedrehten Radaufsprung“ , dass ich heute gute Beine erwischt hatte. Ich konnte von Anfang an Druck machen und absolvierte die ersten Kilometer zügig. Die Sache mit dem Aerohelm will ich hier jetzt gar nicht hochschaukeln, aber ich denke, dass ich ein paar Minuten deshalb liegenlassen habe. Ich hatte richtig Spaß und wurde auch nicht einmal überholt. Relativ alleine spulte ich die ersten 70km ab. Mein Begleiter stammelte irgendwas von 5:10h Rad. Ich war schockiert. Ich glaube er ist ziemlich geplatzt, da wir zu dem Zeitpunkt noch auf 4:45h Kurs waren. Das erste Mal Solarer Berg war einfach unglaublich. Mit 53:17 (Übersetzung) stapfte ich den Berg
hinauf. Oben angekommen konnte ich vor lauter Lactat nicht mal mehr eine Radflasche greifen an der Verpflegungsstation. Mein Durchschnittspuls war zu diesem Zeitpunkt bei 172hf. Den Rest der ersten Runde fuhr ich kontrolliert zu Ende. Am Schwimmausstieg angekommen wurde die Strecke richtig voll. Die Staffeln kamen grade auf die Strecke. Ab diesem Zeitpunkt, war ich nur noch am Überrunden. Der Geschwindigkeitsunterschied war manchmal so extrem groß, dass ich die Entfernungen nur schlecht einschätzen konnte und es zu gefährlichen Situationen kam. Nach 100km konnte ich zu Belinda Granger, Rebekah Keat und Julia Wagner aufschließen. Kameramotorad, Fotografen und Wettkampfrichter sollten den Rest der Strecke meine ständigen Begleiter sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch meine stärkste Phase. Es ging leicht Bergab und ich konnte auf die Frauen 2 Minuten Vorsprung rausfahren. Angst hatte ich aber vor dem Berg in Gredingen der doch recht steil und lang in meiner Erinnerung war. Ich versuchte alles, den Schnitt auf über 38 zu drücken, um ein wenig Polster vor dem Berg zu haben. Dies gelang mir auch mehr als gut. Am Berg verlor ich dann so 3-4 Plätze und fühlte mich auch nicht mehr ganz so gut wie in der ersten Runde. Doch ich war mental sehr stark und konnte auf der Kuppe wieder Druck machen. Selbst auf der Abfahrt habe ich immer alles gegeben und nie die Beine hochgenommen. Kurz vor dem Solarer Berg (km 145 ca.) ist ein ca. 1km relativ steiler 12% (geschätzt) Stich. Hier bekam ich das erste Mal Probleme. Mein Oberschenkelstrecker krampfte ganz leicht und ich konnte nicht mehr im Wiegetritt fahren. Ich musste das erste Mal aufs kleine Kettenblatt schalten. Komischerweise hat mich das kaum gejuckt und ich hab auf der Kuppe wieder reingetreten wie Ullrich zu seinen besten Zeiten. Am Solarer Berg dann aber wars vorbei mit der Ruhe und ich kam kaum noch über den Berg ohne Krampf. Ich rettete mich grade noch so drüber als die Frauen von hinten aufschlossen. Ich beschloss den Rest der Runde (25km nur n
och Bergab) mich gut zu verpflegen und im fairen Abstand mit Keat und Granger mitzufahren. Durch dieses Bergabstück am Ende konnte ich meinen Schnitt noch auf ca. 38km/h erhöhen und die sogar durch eine Baustelle dieses Jahr etwas längere Strecke mit 4:48h beenden. Der zweite Wechsel konnte gar nicht schnell genug gehen und ich flog durch die Wechselzone. 10sec schneller als der neue Weltrekordhalter Andi Raelert. Nach nur 1:09min lief ich durch die Zuschauermassen in Richtung Lende.
Das Laufen
Nach 5:45h steckte ich schon in den Laufschuhen. Ich hatte so Angst überzogen zu haben und meine Beine fühlten sich auch total zerstört an. Doch ich wusste, dass ist ganz normal nach knapp 6 Std sind die Beine nun mal nicht mehr so frisch. Ich versuchte meine angepeilten 4:20min/km zu laufen. Doch ich kam einfach nicht in Schwung. Bei km 3 beschloss ich dann meine erste Pinkelpause :) einzulegen. Danach lief es dann besser. Am Kanal kamen mir Andi Raelert und Chrisi Wellington entgegen und sahen auch nicht mehr so frisch aus. Ich versuchte mich zu motivieren, aber die Schmerzen waren bei km 10 schon richtig groß. Mein Kopf konnte noch nicht mal mehr Zeiten berechnen und ich wusste überhaupt nicht was ich für einen Schnitt hätte laufen müssen um die 9 Std. zu knacken. Mittlerweile war mein Schnitt so bei 4:40 Tempo. Die Sonne brannte und ich versuchte mich bei jeder Verpflegungsstation mit 10 Schwämmen abzukühlen. Nachteil daran meine Füße waren immer total Nass. Bei Halbmarathon hatte ich dann einen Begleiter, der mir erzählte, dass wir nur 1:40h den nächsten HM laufen müssten um unter 9 zu bleiben. Ab diesem Zeitpunkt war bei mir der Kopf total leer. Ich kann jetzt nicht mehr genau sagen, ob ich 1:40 schnell oder langsam fand, jedoch entschloss ich mich aus unerklärlichen Gründen an der Verpflegungsstelle in Eckersmühlen zu gehen. Ab diesem Zeitpunkt ging einfach nichts mehr. Es fühlte sich nach 4:30 Tempo an aber die Uhr zeigte nur noch 5:30 Tempo. Ich pendelte von Aid Station zu Aid Station und rechnete schon aus, wie ich denn wohl reinkomme wenn ich den Marathon zu Ende gehen würde. Insgesamt 4 Gehpausen a 300m legte ich ein um dann bei km 29-30 wieder den Schritt zu finden um 4:45 Tempo laufen zu können. Die Zeit war mir mittlerweile schon egal, ich wollte nur noch aufhören zu laufen. Die Schmerzen waren einfach unglaublich groß und ich stammelte die ganze Zeit vor mir her – Boah ist das hart! Die Hitze war einfach unerträglich und meine Beine wollten nicht mehr. Der Puls war zwischenzeitlich nur noch bei 145-150. Mein Bruder motivierte mich dann bei km 32 nochmal und ich quälte mich von km zu km. Die Geschwindigkeit hatte ich wieder und mental war ich wieder voll da. Ich drehte den Spieß um und überholte nur noch. Ich genoss die letzten Schmerzen in den Beinen und überquerte nach 9:08h die Ziellinie. Mit dem knapp über 3:20h Marathon kann ich natürlich nicht zufrieden sein. Mit der Gesamtzeit allerdings schon!!!
Jedem der noch keine Langdistanz gemacht hat, würde ich gerne mal das Leiden des Athleten auf dem Marathon festhalten. Beschreiben kann ich es leider nur sehr schlecht. Ich weiß auch nicht was der limitierende Faktor ist, aber wenn man wirklich viel riskiert, ist die Mentale Stärke für alle Triathleten das Wichtigste. Mein Kopf war noch nicht stark genug für die sub 9. Aber keine Frage – ich komme wieder und zwar mit Aerohelm :P
Mein ganz besonderer Dank gilt meinem Trainer Freddy und den Trifinish Fans. Meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Freundin gilt ebenso Dank für die Unterstützung. Besonders freue ich mich, dass es alle Trifis ins Ziel geschafft haben. Vor allem über die Zeit von meinem Trainingspartner Flo (9:34h) und dem Finish von Lothar. Meine herzlichsten Grüße gelten allerdings Ulf, der für mich als Freund und Trainingspartner immer da war. Schade, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Ich hoffe, dass wir dann demnächst zusammen unter 9 finishen werden!
Viel Spaß hatte ich auch mit den Kölner Jungs - Sebastian Zeller, Nick Staggenborg und mein Trainer Frederik Martin. Glückwunsch an Sebastian für die überragende Performance und schade Nick genauso wie bei mir knapp vorbei aber trotzdem sehr stark. Ich freu mich schon mit euch mal wieder zu trainieren. Nick Lust auf Köln? :P
| Swim 3,8km | 00:54:00 |
| Trans 1 | 00:02:07 |
| Bike 180km | 04:48:11 |
| Trans 2 | 00:01:09 |
| Lauf 42,2km | 03:23:26 |
Link zu den Ergebnissen